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Ewald König: Deutschland-Besuch von Präsident Ilham Aliyev hat ein neues Kapitel in den Beziehungen zwischen beiden Ländern aufgeschlagen

Berlin, 24. Juli, AZERTAC

Ewald König, Geschäftsführender Gesellschafter, Herausgeber der unabhängigen Online-Medienplattform diplo.news gab AZERTAC ein Interview.
- Der offizielle Besuch von Präsident Ilham Aliyev in Berlin endete mit der Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung über die Strategische Agenda für die bilaterale Partnerschaft. Wie bewerten Sie als langjähriger Beobachter der deutschen Außenpolitik die politische Bedeutung dieses Besuchs? Kann man sagen, dass die deutsch-aserbaidschanischen Beziehungen damit eine neue Qualität erreicht haben?
- Ja, dieser Besuch hat ein neues Kapitel in den Beziehungen aufgeschlagen. Das lässt sich an einigen Punkten festmachen. Allein schon das Protokollarische: Der Präsident wurde protokollarisch in höchsten Ehren empfangen. Aber auch im Inhaltlichen: Die Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung war nicht nur eine symbolische Geste, sondern bereitet eine breite Basis für Kooperationen vor. Diese Kooperation ist nicht mehr nur pragmatisch wie bisher, sondern ist strategisch angelegt.
Das ist in beiderseitigem Interesse: Deutschland muss seine Energieimporte diversifizieren und braucht Aserbaidschan als Energielieferant. Dabei hat Deutschland die Erfahrung gemacht, dass Aserbaidschan ein verlässlicher Lieferant ist. Für Aserbaidschan wiederum ist es wichtig, einen verlässlichen Abnehmer zu haben und international als Energielieferant an Bedeutung zu gewinnen und politische Aufwertung zu finden.
Abgesehen von Energie und Rohstoffen hat Aserbaidschan als Transitland für Deutschland große Bedeutung bekommen, seit Transporte zwischen Asien und Europa nicht mehr über Russland gehen können.
- Bundeskanzler Friedrich Merz betonte während des Besuchs die Bedeutung Aserbaidschans für die Energiesicherheit Europas sowie für den Mittleren Korridor als Verbindung zwischen Europa und Zentralasien. Glauben Sie, dass Deutschland Aserbaidschan inzwischen nicht mehr nur als Energielieferanten, sondern zunehmend auch als geopolitischen und wirtschaftlichen Partner im Südkaukasus wahrnimmt?
- Ja, das ist ganz offensichtlich der Fall. Bisher war Aserbaidschan vor allem als Energie- und Rohstoffland wichtig, und das bleibt auch so. Aber jetzt ist es auch politisch wichtiger geworden, allein schon wegen seiner Lage an der Schnittstelle zwischen Europa, Südkaukasus und Zentralasien, also als Knotenpunkt. Dazu kommt, dass der Südkaukasus seit dem Friedensabkommen vom Vorjahr mit Armenien keine Krisenregion mehr ist, was auch hoffentlich so bleibt, sondern dass die Region stabilisiert ist. Diese Sicherheitspolitik liegt stark im deutschen Interesse und wurde mit dem freundlichen Empfang des Präsidenten und mit der Gemeinsamen Erklärung auch entsprechend honoriert.

Politik 2026-07-24 20:26:00