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Aufforstung bedroht afrikanische Savannen

Baku, 17. Februar, AZERTAC
In Madagaskar werden Mangroven gepflanzt, in Argentinien soll das Gebirge wieder bewaldet werden. Wiederaufforstungsprojekte gelten als wichtige Maßnahme gegen den Klimawandel. Milliarden Euro fließen weltweit in solche Projekte. Nicht immer jedoch halten sie, was sie versprechen.
In einer Studie im Fachjournal „Science“ zeigen drei Forscherinnen um die Tropenökologin Kate Parr von der Universität Liverpool, dass Aufforstungsprojekte in Afrika im großen Stil wertvolle Ökosysteme zerstören könnten.
Die Forscherinnen stellten fest, dass Länder in Subsahara-Afrika fälschlicherweise Gebiete aufforsten wollen, bei denen es sich um Savannen oder andere Graslandschaften handelt. Insgesamt sei davon eine Fläche von der Größe Frankreichs betroffen, heißt es in einer Mitteilung der Universität.
Gefahr für Nashörner und Gnus – „Die Anpflanzung von Bäumen in diesen Graslandschaften kann eine Gefahr für Wildtiere wie Nashörner und Gnus sowie für die Menschen darstellen“, sagt Parr. Zudem würden häufig nicht einheimische Baumarten eingesetzt, was Ökosystemen zusätzlich schade.
Kritik an Aufforstungsprojekten gibt es seit Längerem. Unter anderem führen sie oft zu Monokulturen einzelner Pflanzen und nicht zur gewünschten Artenvielfalt. Bisher wurde das Problem aber nicht so genau quantifiziert wie in der vorliegenden Studie.
Dafür untersuchten die Forscherinnen Projekte der Initiative zur „Wiederherstellung afrikanischer Waldlandschaften“, kurz AFR100. Zu den Initiatoren gehört auch das Bundesentwicklungsministerium. 34 Länder in Subsahara-Afrika haben sich AFR100 angeschlossen, wie AZERTAC unter Berufung auf Spiegel berichtete.
Auch andere Kontinente betroffen - Die Initiative möchte auf einer Gesamtfläche von einer Million Quadratkilometer – fast dreimal so groß wie Deutschland – ökologisch geschädigtes Land wiederherstellen. Gelingen soll das durch Anpflanzungen, natürliche Verjüngung und andere Arten der Renaturierung.
Die Autorinnen vermuten, dass eine Aufforstung nicht geeigneter Flächen auch auf anderen Kontinenten stattfindet, zum Beispiel in Indien und Brasilien. „Wir müssen dringend verhindern, dass Savannen mit Wäldern verwechselt werden“, sagt Parr.
Sven Günter, Experte für Waldwirtschaft am Hamburger Thünen-Institut, sagt, die Studie weise auf ein wichtiges Problem hin. Aus dem Artikel lasse sich aber nicht ableiten, dass alle Aufforstungsmaßnahmen in Afrika in eine falsche Richtung liefen. „Aber er hinterfragt Projekte an der Übergangszone zu Savannen.“
Vielen Aufforstungsprojekten lägen einfach zu messende Parameter wie die Anzahl gepflanzter Bäume als Zielgröße für Erfolg zugrunde, sagt Günter. »Wichtiger und richtiger wäre, die verbesserten Umweltdienstleistungen und die verbesserten Lebensumstände für die lokale Bevölkerung als Erfolgsgröße zu definieren«.
Problematische Definition von Wald - Der Ökologe Manfred Finckh von der Universität Hamburg hält insbesondere die Walddefinition der UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation für problematisch. Sie dient als Grundlage vieler Aufforstungsprojekte. Wald ist demnach ein Gebiet, das die Kronen von Gehölzen zu mindestens zehn Prozent abdecken.
Durch diese ökologisch unsinnige Definition von Wald würden Geldmittel zur Wiederherstellung fehlgelenkt, sagt Günter. „Salopp gesagt würde jede deutsche Kleingartenanlage dieses Kriterium erfüllen.“

Wissenschaft und bildung 2024-02-17 18:16:00