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Meere bergen enormes Potenzial, auf Dauer das Klima zu stabilisieren

Baku, 8. Dezember, AZERTAC
Die Ozeane können große Mengen Kohlendioxid (CO₂) aus der Atmosphäre aufnehmen und speichern. Diese Rolle als Kohlenstoffsenke dürfte laut einer neuen Studie sogar noch erheblich größer sein als bisher bekannt. Um rund 20 Prozent werde die Kapazität unterschätzt, heißt es in dem Papier, das in der Zeitschrift „Nature“ erschienen ist.
Das internationale Team aus Meeresforschenden untersuchte vor allem die Rolle von Plankton: winzige Organismen, die Kohlendioxid an der Meeresoberfläche aufnehmen und bei ihrem Wachstum durch Fotosynthese in organisches Material umwandeln. Wenn sie sterben, werden Teile davon in kleine Partikel zersetzt, die auch als „mariner Schnee“ bekannt sind. Dieses Material ist dichter als Salzwasser und sinkt daher auf den Meeresboden, wo der Kohlenstoff gespeichert wird oder als Nährstoff für eine Reihe von Lebewesen der Tiefsee dient.
Anhand einer Datenbank mit Messungen von Forschungsschiffen seit den Siebzigerjahren erstellte das siebenköpfige Forschungsteam eine digitale Karte der Ströme dieses „marinen Schnees“ in den Weltmeeren. Auf dieser Basis schätzte es die Speicherkapazität der Ozeane auf 15 Gigatonnen Kohlendioxid pro Jahr. Nach dem bisherigen Forschungsstand geht etwa der Weltklimabericht des IPCC von 2021 noch von nur elf Gigatonnen aus.
Eine gute Nachricht also – aber eher für das Verständnis von der Bedeutung der marinen Ökosysteme. Das akute Klimaproblem werde dadurch kaum gelöst, heißt es in einer Mitteilung des Meeresforschungszentrums Lemar im französischen Brest, dessen Biologe Frédéric Le Moigne an der Studie mitwirkte. Der Prozess der Absorption dauere Zehntausende Jahre und reiche keinesfalls aus, um das exponentielle Wachstum der menschengemachten CO₂-Emissionen auszugleichen. Wenn dieses Problem gelöst werde, könne man aber langfristig auf die Kraft der Meere zur Regulierung des Klimas zählen.

Gesellschaft 2023-12-08 14:11:00