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Uno nachhaltige Entwicklungsziele verabschiedet: Sie sollten die Welt bis zum Jahr 2030 besser machen

Baku, 15. September, AZERTAC

Es waren ambitionierte Pläne, die Vereinten Nationen entwarfen eine Welt, in der es kein drastisches Gefälle zwischen Globalem Süden und Globalem Norden mehr geben würde: 17 Ziele hatte die Uno 2015 verabschiedet. Bis zum Jahr 2030 sollten sie die Welt zu einer besseren machen, einer ohne extreme Armut, Hunger und Geschlechterungleichheiten. Bildungschancen sollten verbessert werden, alle Menschen Zugang zu sauberem Wasser haben und die Städte nachhaltiger werden. Auch Frieden und Gerechtigkeit stehen auf der Liste.
“Es ist Zeit, die Alarmglocke zu schlagen“ - so lautet einer der ersten Sätze in einem Zwischenbericht, den die Uno vor Kurzem vorgestellt hat. Überhaupt kommt das Wort Alarm ziemlich häufig vor. Das Fazit: Die nachhaltigen Entwicklungsziele drohen zu scheitern. Bei mehr als der Hälfte sei der Fortschritt “schwach oder unzureichend“, heißt es im Uno-Bericht. Bei fast einem Drittel sei die Entwicklung sogar rückläufig, es wird also wieder schlechter. Das betrifft ausgerechnet die zentralen Bereiche Armut, Hunger und Klima.
Dabei sah es zunächst gut aus. Nach 2015 schien es aufwärtszugehen mit der Welt. Doch dann kam zuerst die Coronapandemie, die weltweit Gesundheits-, Wirtschafts- und Sozialsysteme ins Wanken brachte. Im Februar 2022, die Welt war gerade dabei sich vom Schock zu erholen, begann dann der groß angelegte Krieg Russlands auf die Ukraine. Weltweit stiegen die Preise, etwa für Lebensmittel und Benzin, die Entwicklungsziele rückten in noch weitere Ferne. Hinzu kommt die Klimakrise, deren Folgen vor allem im Globalen Süden in Form von Dürren und Überschwemmungen immer deutlicher werden.
Ziel: Keine Armut - Bis 2019 galt: Die Welt macht Fortschritte. Doch mit der Coronapandemie stieg die extreme Armut zwischenzeitlich wieder an. Wenn es so weitergeht wie bisher, werden im Jahr 2030 noch immer 575 Millionen Menschen weltweit in Armut leben, schätzt die Uno.
Ziel: Kein Hunger - Auch hier zeigt sich ein ähnlicher Trend: Spätestens 2017 war es mit den sinkenden Zahlen beim Hunger vorbei. Als Gründe gelten vor allem Dürren und Konflikte. Fast jede zehnte Bewohnerin und jeder zehnte Bewohner der Erde ist derzeit chronischem Hunger ausgesetzt.
Vor allem Subsahara-Afrika ist stark betroffen. Zwar ist das Einkommen vieler Menschen nach der Pandemie wieder gestiegen. Aber die explodierenden Preise für Lebensmittel lassen die Kaufkraft trotzdem sinken.
Ziel: Verbesserte Gesundheit - Immerhin bei diesem Ziel zeichnen sich positive Entwicklungen ab. Die Staatsausgaben für das Gesundheitswesen sind weltweit gestiegen, auch wegen der Coronapandemie. Expertinnen und Experten fordern Regierungen im Globalen Süden schon lange auf, mehr in diesen Bereich zu investieren. Auch die Mittel der Entwicklungszusammenarbeit für das Gesundheitswesen haben sich verdoppelt, von 10,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2015 auf 20,4 Milliarden US-Dollar 2021. Die Folge: Unter anderem die Kindersterblichkeit geht deutlich zurück.
Ziel: Geschlechtergerechtigkeit - Es geht viel zu langsam voran. Nach Uno-Berechnungen dauert es noch 140 Jahre bis Frauen in Führungspositionen in Politik und Unternehmen in gleichem Maße wie Männer vertreten sind. In manchen Ländern ging der Frauenanteil in Parlamenten sogar wieder zurück, wie diese Karte zeigt. Immerhin in Mali, sonst nicht für gute Nachrichten bekannt, geht es deutlich aufwärts. Der Anteil weiblicher Abgeordneter hat sich inzwischen um 20 Prozentpunkte erhöht.
Ziel: Frieden - Wieder gilt: Es sah doch so gut aus! Die Zahl der zivilen Opfer von bewaffneten Konflikten war seit dem Start der nachhaltigen Entwicklungsziele Jahr für Jahr zurückgegangen.
Ziel: Sichere Beschäftigung, wirtschaftliches Wachstum - Nach der Pandemie ging es kurz wieder bergauf in Sachen Jobchancen. Doch in diesem Jahr wird sich das Wirtschaftswachstum in den Entwicklungsländern laut Vorhersage der Weltbank wieder verlangsamen. Der Anteil der Beschäftigten im informellen Sektor, also ohne vertraglich geregelte Arbeit, ist seit 2015 in Subsahara-Afrika und in Zentralasien gestiegen. Arbeit wird also prekärer. Ein weiteres Problem: In den Entwicklungsländern wächst der Schuldenberg, und zwar massiv. Ohne Schuldenschnitt stehen Dutzende Staaten weltweit vor dem Kollaps.

Welt 2023-09-15 14:00:00